
Heft 11 :: Gunter Falk
Das Heft 11 widmet sich dem Rahmen, dem Würfeln und dem Spielen und den Lebens- und Werkspuren des Soziologen und Schriftstellers Gunter Falk. Dabei geht es nicht um eine nachträgliche Korrektur seiner Rezeptionsgeschichte und ebenso wenig um ein Heft, das Falk bloß referiert. Die versammelten Texte treten vielmehr in einen aktuellen Dialog mit seinem literarisch-soziologischen Werk: Sie greifen Spuren auf, verschieben sie, paraphrasieren, mischen und spielen mit ihnen.
Falks Interesse gilt den Situationen, Szenen und Rollen, in denen Gesellschaft sich herstellt. Er sucht nach dem Spiel, das „eigentlich“ gespielt wird, nach den Regeln, Gesten und Formen der Interaktion, durch die Rollen entstehen und verhandelt werden. Das Soziale erscheint dadurch nicht als etwas Feststehendes, sondern als etwas Bewegliches, Prozesshaftes – als Gesellschaftsspiel. Reflexivität bedeutet dabei nicht, außerhalb des Spiels zu stehen. Im Gegenteil: Man muss mitspielen, um die Spielregeln zu erlernen und über sie nachdenken zu können.
Genau daraus entwickelt sich auch die Form dieses Hefts. Die Beiträge rahmen, was selbstverständlich erscheint, würfeln poetologische Verfahren und literarische Motive durcheinander und spielen mit den Bedingungen, Widerständen und Möglichkeiten des Schreibens. Ausgangspunkt ist jeweils ein Stimulus aus Falks Werk, von dem aus sich die Autor:innen in Bewegung setzen. So entstehen keine klassischen Beiträge über Falk, sondern eigenständige Texte, die seine literarischen und soziologischen Verfahren aufnehmen und in andere Zusammenhänge überführen.
Dabei begegnen sich unterschiedliche Zeiten und Schreibweisen: Falks Spiel mit Rollen, seine Paraphrasen literarischer Stimmen, seine Hinwendung zu Mikroformen und zum Haiku treffen auf gegenwärtige literarische Verfahren. Vergangenes wird dabei nicht einfach konserviert, sondern neu zusammengesetzt. Bekannte Spuren werden aufgenommen, verschoben und weitergeführt – wie ein Spiel, dessen Regeln erst im Spielen sichtbar werden.
Einleitung von: Raffael Hiden
Mit Beiträgen von: Gwendolin Lehnerer / Alexander Graeff / Martin Schitter / Muhammed Dumanli / Michelle Ulz / Mario Schemmerl / Simon Plakolb / Julia Knaß / Klaus Stoertebaecker
